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Das große Sterben der kleinen Lämmer 11.April.2006

Posted by Sven de Vries in Nachrichten.
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via Wiesbadener Tagblatt

Angelika Becker und Dorette Jensel fielen aus allen Wolken, als sie beim Spaziergang an den Breckenheimer Pfingstbornwiesen die Schafe sahen. Hobby-Züchter Holger Bierbrauer ist sich bis heute keiner Schuld bewusst, will seine Schafzucht allerdings jetzt aufgeben.

Bei einem Spaziergang durch die Gemarkung entdeckten Angelika Becker und Dorette Jensel Schafe einer Schwarz-Kopf-Herde. “Die Tiere machten einen völlig herunter gekommenen Eindruck, einige konnten nicht mehr laufen, weil die Klauen nicht geschnitten worden waren und waren völlig abgemagert,” erzählen die beiden jungen Frauen.

Hintergrund

Was sie aber am meisten schockte, war der Zustand der gerade erst geborenen Lämmer (Bilder dieser Tiere liegen dem “Tagblatt” vor). Drei der Lämmer holten die beiden Frauen von der Weide; zwei überlebten letztendlich doch nicht, erzählt Angelika Becker.

“Es gab öfters Beschwerden. Und die haben wir immer an das Veterinäramt weiter geleitet”, sagt Rainer Schmidt, der Leiter der Breckenheimer Ortsverwaltung. “Wir haben eigentlich nur als Briefkasten fungiert.”

Das Veterinäramt beauftragte wiederum einen Tierarzt vor Ort, sich die Schafherden, immerhin 90 Tiere mit zuletzt 23 Lämmern, einmal intensiv anzuschauen. Der Tierarzt, der namentlich nicht genannt werden will, zog schließlich auch die “Notbremse”. “So ging es nicht weiter”, sagt er.

Der Hobby-Züchter der Schwarz-Kopf-Schafherde selber sieht keine Schuld auf seiner Seite. “Jedes Wochenende war ich mit den Schafen unterwegs,” sagt Holger Bierbrauer, “jetzt habe ich einfach keine Lust mehr.” Bierbrauer will die Tiere an einen anderen Züchter abgeben. Gestern sollten erste telefonische Kontakte stattfinden. Bis zum späten Nachmittag war die Zukunft seiner Schwarz-Kopf-Herde allerdings noch ungeklärt.

Holger Bierbrauer wehrt sich allerdings vehement gegen den Vorwurf, er habe seine beiden Herden vernachlässigt, sich nicht richtig um die Tiere gekümmert. “Die Lämmer, die in diesem Jahr gestorben sind - da waren die Witterung und vor allem die lange Kälte die Ursache”, ist er heute noch fest überzeugt.

Dem widerspricht allerdings ein tiermedizinisches Gutachten. Eines von Bierbrauers toten Lämmern landete schließlich bei Dr. Dirk Steinhauer, Tiermediziner am Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz in Koblenz. Und der Veterinär traf ein sehr nüchternes Urteil.

“Einsendung: Schaflamm, weiblich, 4,1 Kilo schwer, ohne besondere Kennzeichen gestorben”. Was Dr. Steinhauer allerdings bei näherer Untersuchung noch feststellte: Das Jungtier war stark abgemagert, litt an einer hochgradigen,akuten und blutigen Dünndarmentzündung und in allen Gefäßen fanden sich Anzeichen eine Bakterien-Embolie: “Collie-Bakterien in großen Mengen”, so das Urteil des Koblenzer Veterinärs, der nur eins von den Breckenheimer Lämmern auf dem Seziertisch hatte.

Angelika Becker ist jedenfalls zunächst beruhigt, nachdem sie vom “Tagblatt” am späten Nachmittag erfahren durfte, dass Holger Bierbrauer sein Hobby der Schafzucht jetzt aufgeben will. “Das macht keinen Spaß mehr, das ist mir zu stressig, wenn ich solche Schwierigkeiten bekomme”, hatte der Züchter am Vormittag erklärt.

Angelika Beckers Kommentar am Nachmittag: “Na endlich, hoffentlich findet sich wirklich ein kompetenter Züchter, der die Tiere aus Breckenheim übernehmen und auch wirklich artgerecht halten kann.”

Sie und ihre Freundin Dorette Jensel sehen sich auf jeden Fall in ihren Engagement bestätigt. Auch bei einem kleinen Spaziergang, so ihr Credo, sollte man auf jeden Fall die Augen offen halten - und wenn es Not tut, natürlich auch beherzt und engagiert eingreifen.

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